Unbezahlte Prämien und die Folgen
In der Schweiz gilt, dass Krankenkassen keine Leistungen mehr erbringen, sobald ausstehende Prämien auf dem Betreibungsweg eingeholt werden müssen. Ungeachtet ob diese Regelung der Zahlungsmoral zuträglich ist, entstehen daraus eine Vielzahl Probleme mit Konsequenzen nicht nur für die nicht mehr versicherten Personen.
Spitäler beklagen Ausstände von inzwischen über 80 Millionen Franken. Tendenz steigend. Grund dafür ist, dass die Krankenkassen Rechnungen von Ärzten und Spitälern nicht mehr begleichen, wenn Patienten ihre Prämien nicht zahlen wollen oder können. Diese werden dann gegenüber dem behandelnden Arzt zahlungspflichtig und neben dem womöglich immer noch andauernden persönlichen Leid und der Betreibung seitens der Krankenkasse, flattern auch noch immens hohe Spitalrechnungen ins Haus, die zwangsläufig auch betrieben werden müssen.
Gegen 150′000 Menschen seien in der Schweiz derzeit nicht durch eine Krankenkasse versichert und dieser Notstand werde durch die aktuell gültige Regelung nur noch weiter verschärft. Dadurch dass sich betroffene Patienten in einer Abwärtsspirale drehten, sei eine Rettung meistens aussichtslos. Die Verschuldung steigt, der Gesundheitszustand sinkt weiter - Ein Teufelskreis. Mit dieser Argumentation versucht der Arzt Dr. David Winizki in einem Leserbrief an die Vernunft der Politik zu appellieren. Winizki ist selber mit unbezahlten Rechnungen konfrontiert und muss auch über unbezahlte Leistungen Buch führen. Daneben sieht er aber auch das Leid der Menschen, denen er helfen will.
Mit weit höheren Ausfällen haben die Spitäler zu kämpfen: Das Inselspital Bern beklagte anfangs 2008 Fehlbeträge von 4,7 Millionen Franken, im Unispital Zürich fehlten wegen schlechter Zahlungsmoral 2 Millionen Franken.
Die Folge: Früher oder später müssen sich Sozialämter um die Ausstände kümmern. Doch selbst wenn die betroffenen Patienten Willens sind, ihrer Schuld nachzukommen sind sie in vielen Fällen gar nicht in der Lage. In der Folge bleiben die Kosten bei den Gemeinden und den Kantonen hängen - genauer: Beim Steuerzahler.
Um dieser Spirale ein Ende zu setzen, ist die Politik gefordert. Statt sich das Problem gegenseitig zuzuschieben wären Lösungen zur Entlastung der Versicherten sicher ein probates Mittel um nicht einer Finanzierungskrise entgegen zu steuern. Ob sich die Idee durchsetzen wird, ein ähnliches System wie bei der AHV anzuwenden, wie sie Winizki in seinem Leserbrief vorschlägt, steht noch in den Sternen. Bis dahin ist aber dringend zu empfehlen, Krankenkassenprämien pünktlich zu bezahlen. Die finanziellen Folgen die durch das Nichtbezahlen entstehen stehen in keinem Verhältnis zu der einen oder anderen gesparten Monatsprämie. Wer auf diese Weise bei den Prämien für die Krankenkasse spart, spart am falschen Ort.